Geschichte und Musikverein
Die Gründung des Musikvereins

Gründungstag des Musikvereins war der 1. April 1890. Dies ergibt sich aus einem noch existierenden Mitgliederbuch, in welchem als ältestes Eintrittsdatum der 1. April 1890 zu finden ist. Als Mitglieder mit diesem Vereinseintrittstermin sind aufgeführt:

Dertinger Karl, Droxler Johannes, Hannich Ferdinand, Hannich Wendelin, Holler Franz, Kratzmeier Josef, Zöller Karl und Zöller Leopold.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit waren die Genannten Gründungsmitglieder. Das Buch wurde von August Holler zu einer Zeit angelegt, als er Kassier war. Da er selbst erst am 1.3.1919 in den Verein eingetreten ist, ist mehr als wahrscheinlich, daß ein Teil der Gründungsmitglieder da schon nicht mehr gelebt hat. Der erste, der als Vorstand den Verein führte, war der Bäckermeister Josef Kratzmeier. Wie lange er dieses Amt ausgeübt hat, kann nicht mehr festgestellt werden. Bis 1930 waren, in der Reihenfolge der Aufzählung: Schmitt Josef J., Müller H., Zöller K. II, Loes Nikolaus, Eißner Karl und Holler A. jedenfalls seine Nachfolger.

Im Untergrombacher Tagblatt vom Samstag,dem 24. Mai 1930, steht folgender Satz: "Der Musikverein wurde von Anfang an von Herrn Bäckermeister Kratzmeier geleitet, der sich heute noch rüstiger Gesundheit erfreut und ein eifriger Musikfreund ist." Auch Josef J. Schmitt ist dort als langjähriger Vorstand erwähnt, der sich um den Bestand des Vereins besonders verdient gemacht hat.

Erster Dirigent des Vereins war Karl Stoll aus Untergrombach. Er hat zu seiner Zeit viele Musikkapellen der näheren Umgebung maßgeblich geprägt, so kann die Gründung des Musikvereins Obergrombach als eine seiner zahlreichen Verdienste angesehen werden

Eine weitere Gründung

Auf der Generalversammlung des Pfeifenclubs Untergrombach am 1. Januar 1911 wurde beschlossen, eine Musikgesellschaft zu gründen. Dies ist der Termin, an dem der Musikverein sich mit dem Pfeifenclub verschmolzen haben. Am 5. März 1911 hat die Vorstandschaft über einen Vertrag für den Musikmeister beschlossen. Sicher war damit der Dirigent gemeint. Das Mitglied Wetzstein hat in der Generalversammlung am 11. Mai 1912 Antrag auf Namensänderung gestellt. Dem Antrag wurde in der Generalversamm-lung vom 11. Januar 1913 stattgegeben. Von da an hieß der ehemalige Pfeifenclub dann Instrumentalverein. Der damalige Dirigent Karl Eißner erhielt eine Jahresvergütung von 20 Mark. Mitglieder, die sich dem Verein zwecks musikalischerAusbildung anschlossen, mußten eine Aufnahmetaxe von 10 Mark bezahlen. Davon erhielt der Dirigent 9 Mark und der Verein 1 Mark. 1914 wurde der Name erweitert und lautete dann lnstrumental-Musikverein. Im gleichen Jahr brach der 1. Weltkrieg aus. Gleich zu Beginn wurden fast alle Musiker zu den Waffen gerufen. Von den Musikern ist Hugo Konrad nicht mehr aus Rußland heimgekehrt.

Nach dem 1. Weltkrieg übernahm M. Böhmer aus Durlach den Dirgentenstab. Bereits 1920 kehrte die Kapelle vom Wettspiele aus Wöschbach mit einem la-Preis heim. Die Vereinsleitung war zu dieser Zeit unter Vorstand Karl Zöller II in besten Händen. Sein Nachfolger war N. Loes, der wiederum die Zügel des Vereins an K. Eißner abgab. Von den folgenden zwei Vorständen wäre noch A. Holler zu nennen. Ihn hat dann der langjährige Dirigent E. Kneis abgelöst. In jenen Jahren war unser Verein auch dem Pfinz-Kraichgau-Musikerbund angeschlossen. Im Jahre 1930 konnte sich der Verein einen schon jahre-lang sehnlichst gehegten Wunsch erfüllen. Es war die Anschaffung einer Fahne. Galt es doch in diesem Jahre, das 40. Stiftungsfest zu feiern, so war der Erwerb der Vereinsfahne ein symbolisches Ereignis, das das Ansehen und den Zusammen-halt in unserem Verein zu stärken vermochte. Die Zahl der Mitglieder hat in diesem Jahr 300 überschritten, wodurch der Musikinstrumentalverein zur größten Vereinigung in Untergrombach geworden war.

Noch erhaltene Festschriften erinnern uns immer wieder an das 40 jährige Stiftungsfest, das am 25. und 26. Mai 1930 mit festlichem Gepräge gefeiert wurde. Unser Jubiläumstag war gleichzeitig der Tag der denkwürdigen Fahnenweihe.

Bei diesem außergewöhnlichen Musikfest trafen sich viele befreundete Vereine aus Nah und Fern und gestalteten ein in freundschaftlichem Sinne getragenes Preiswettspiel. Aber auch Festdamen gehörten damals zu jedem Jubiläum, genau wie Fahnenträger und Begleiter. Und das waren sie anno 1930:

Festdamen 1930


Das Bild unten zeigt die Musikkapelle bei einem Ausflug am 31.8.1930 vor dem Niederwald-Denkmal

Ausflug 1930


Jakob Kußmann hat noch im Jubiläumsjahr 1930 die Nachfolge im Amt des ersten Vorsitzenden angetreten. Das nachfolgende Foto wurde bei einem Maiausflug zu Fuß am 6. Mai 1931 gemacht.

Maisausflug 1931


Einen Maiausflug in den oberen Wald unternahm der Verein am 1. Mai 1932, bei dem das folgende Bild gemacht worden ist.

Maiausflug 1932


Ein Jahr später, nämlich 1933, brach die Epoche des Tausendjährigen Reiches an. Die neue politische Orientierung wirkte sich zwangsläufig auf das Vereinsleben aus. Neben der Auflösung vieler Vereine versuchte man, in alle weiterbestehenden Vereinigungen spürbar den Geist des 3. Reiches hineinzutragen. Die Vereinsleitung verstand es, den Verein vor dieser Beeinflussung zu bewahren. Aus jener Zeit stammt das Bild von der Fronleichnamsprozession, bei der, damals wie heute, das Fehlen der Blasmusik in unserem Ort einfach nicht denkbar war.

Fronleichnam


1939 brach der 2.Weltkrieg aus, den jeder Pazifist befürchtet hatte. Er forderte erheblich mehr Opfer als der erste. 11 Vereinsmitglieder, davon 7 aktive und 4 passive Mitglieder, mußten ihr Leben lassen.

Die vom Kriegsdienst verschont gebliebenen aktiven und passiven Mitglieder hatten die Tätigkeit der Kapelle während der Kriegsjahre so gut, wie es die Verhältnisse zuließen, aufrechterhalten. Die Heimkehrer fanden recht bald wieder in den alten Kreis der Vereinsmitglieder zurück, so daß ein schneller Wiederaufbau der Vereinskapelle durchgeführt werden konnte.

Über diese Epoche hinweg hat der idealgesinnte J. Kußmann die schwierige Aufgabe des Vereinsvorsitzenden glänzend gelöst. In Anerkennung seiner Verdienste, die er sich als Vorstand von 1930-1946 erworben hat, wurde er 1946 zum Ehrenvorstand und 1977 zum Ehrenpräsidenten ernannt

An dieser Stelle verdient eine weitere Persönlichkeit besonders erwähnt zu werden - der ehemalige Dirigent Karl Eißner. Er war schon eine Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und auch viele Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges der musikalische Leiter der Vereinskapelle. Er hat es verstanden, schon recht bald nach dem 2. Weltkrieg wieder eine ordentliche Kapelle auf die Beine zu stelle. Das Bild zeigt die Kapelle mit dem Dirigenten anno 1948.

Karl Eißner


Kurze Zeit danach feierte der Musikverein sein 60-jähriges Stiftungsfest, in der damals üblichen Bescheidenheit. Man hatte einfach kein Geld, so kurz nach der Währungsreform.Trotzdem haben 14 Musikkapellen am Wertungsspiel teilgenom-men; 15 Kapellen waren beim Festzug dabei.

Der verstorbene Dorfpfarrer, Herr Adolf Schaub, ist als großer Musikfreund immer für die Belange des Vereins eingetreten. Daß andererseits gerade die Blasmusik bei kirchlichen Anlässen zur Stelle war, belegen die folgenden Bilder

Weisser Sonntag in den fünfziger Jahren

Primiz in den sechziger Jahren

Prozession Kosmas und Damian in den sechziger Jahren

Eine wesentliche Rolle in der Geschichte des Musikvereins hat auch das heute nicht mehr existierende "Gasthaus zum Engel" gespielt.

Gasthaus Engel

Im Engelsaal wurde geprobt, versammelt, gefastnachtet und auch, aus dem Bild unten ersichtlich, Weihnachten gefeiert.

Weihnachtsfeier 1960

Leider mußte dieses Haus 1963 auch die Spaltung des Vereins wegen unüberbrückbarer Gegensätze miterleben. Für wenige Jahre gab es in Untergrombach zwei Musikvereine. Doch schon 1969 ist es dem damaligen Bürgermeister Rudi Doll gelungen, die Einigkeit wieder herbeizuführen. Beim damaligen Instrumentalmusikverein wirkte Herr Greter aus Weingarten als Dirigent; die Harmonie spielte von 1963 bis 1978 unter der Stabführung von Wilfried Kretz. Letzterem ist es geglückt, mit einer kleineren Besetzung - es waren die Grombachtaler - in Sachen Stimmungsmusik große Erfolge zu feiern

Die Grombachtaler

1978 übernahm Herr Erich Keibl die Stabführung beim Musikverein Untergrombach. Er hat sich besonders um den Nachwuchs gekümmert und mit der Musikkapelle einen hohen Leistungsstand erreicht. Das Bild zeigt die Kapelle im Jahr 1980 mit Dirigent und dem damaligen 1. Vorsitzenden, Herrn Erich Lobeck.

Kapelle 1980

Mit dieser Kapelle konnte der Verein schließlich ein schönes, erfolgreiches 90-jähriges Stiftungsfest feiern. Die Musikkapelle aus Lech am Arlberg gab dem Fest eine internationale Note.

1990 konnte der Verein sein 100 jähriges Stiftungsfest begehen. Das Ereignis wurde im Juni des selben Jahres mit einem viertägigen Fest gefeiert. Als Höhepunkte des Festes seien hier der Festumzug mit der Beteiligung zahlreicher Musikkapellen aus der näheren Umgebung, die sich im Anschluß an den Festzug zu einem Massenchor zusammenfanden, und der traditionelle Grobacher Owäd, der von den Untergrombacher Ortsvereinen gestaltet wurde, genannt. Die nachfolgenden Fotografien zeigen die Musiker und die Verwaltung des Vereines im Jahre 1990, so wie die Festdamen des 100 jährigen Stiftungsfestes.

Kapelle 1990

Vorstandschaft 1990

Festdamen 1990

Im selben Jahr übernahm Herr Karl-Heinz Greulich den Dirigentenstab, den er bis heute innehat. Herr Greulich setzte die von Herrn Keibl begonnene Arbeit erfolgreich fort und verstand bzw. versteht es noch immer den Leistungsstand der Kapelle kontinuierlich zu steigern. Dies kommt in den im Zweijahres Rhythmus veranstalteten Konzerten jeweils deutlich zum Ausdruck. Bisheriger Höhepunkt dieser Konzertreihe war das im November 1997 veranstaltete Kirchenkonzert in der Pfarrkirche Untergrombach, auf dem die folgende Bildaufnahme entstand.

Kirchenkonzert 1997

1999 besuchte der Verein die befreundete Musikkapelle Trzic. Dass neben der Geselligkeit auch die Musik nicht zu kurz gekommen ist, zeigt das folgende Bild, auf dem das Platzkonzert des Musikvereines bei der Eröffnung des Schusterfestes in Trzic festgehalten ist.

Konzert Trzic



Vorstände des Vereins
ab 1890 Kratzmeier Josef (Musikverein)
Amtszeit unbekannt Schmitt Josef J. (Musikverein)
1897 - 1906 Hippler Johannes (Pfeifenclub)
1906 - 1911 Vogt Johannes (Pfeifenclub/Musikverein)
1911 - 1911 Wetzstein Emil
1911 - 1912 Zöller Heinrich
1912 - 1914 Vogt Johannes
1914 - 1919 Müller H.
1919 - unbekannt Zöller K. II
Amtszeit unbekannt Loes N.
Amtszeit unbekannt Eißner K.
Amtszeit unbekannt Holler A.
Amtszeit unbekannt Gunz Karl
1930 - 1946 Kußmann Jakob
1946 - 1950 Fetzner Michael
1950 - 1953 Eißner Artur
1953 - 1956 Hofheinz Frieder
1956 - 1959 Kußmann Jakob
1959 - 1963 Kempf Gerhard
1963 - 1969 Kempf Gerhard (Instrumentalverein)
1963 - 1975 Weiß Willy (Harmonie)
1975 - 1983 Lobeck Erich
1983 - 1986 Pfund Klaus
1986 - 1989 Dittmer Bert
1989 - 1997 Pfund Klaus
1997- Speck Claudia

Dirigenten
Stoll Karl
Eißner Karl
Böhmer M.
Kneis E.
Bauer Georg
Herr Greter
Kretz Wilfried
Keibl Erich
Greulich Karl-Heinz